Zurück aus Berlin

Hier sitze ich nun im ICE von Berlin zurück nach Stuttgart und versuche mich an meinem ersten richtigen Blogeintrag. Hinter mir liegt das ICJA-Vorbereitungsseminar mit vielen anspruchsvollen und informativen Themen und tollen Menschen – eine intensive und wunderschöne Zeit. Und zuhause erwarten mich der Arbeitsalltag im Kindergarten, weitere Vorbereitungen für Ecuador und noch andere Verpflichtungen. Trotzdem hoffe ich, dass sich auch dieses Jahr wieder etwas vorweihnachtliche Ruhe einstellt und ich die Zeit finde, diesen Blog mit weiteren Erkenntnissen, Erfahrungen und Reflexionen zu füttern.

Das Vorbereitungsseminar (kurz VOS) fand vom 21.-30. November im beschaulichen Berlin-Kladow mit 56 Teilnehmenden statt, die von Januar-März 2013 in alle Teile der Welt fliegen werden, um dort einen Freiwilligendienst zu absolvieren. Die acht Teamenden – sowohl Angestellte des ICJA als auch ehemalige Freiwillige – hatten ein umfangreiches Programm erstellt (siehe Foto) und wir nutzten jede freie Minute zum gemeinsamen Austausch im Gespräch und beim Spielen (absolutes Highlight: Werwolf!). Dadurch lernten wir uns wirklich schnell kennen und wie beim Infoseminar Mitte September muss ich sagen: Ich habe noch nie so viele großartige, interessante und gleichgesinnte Menschen auf einem Haufen getroffen!

Nun, ihr fragt euch sicherlich, was es eigentlich mit diesem VOS auf sich hat. Es ist Teil einer Reihe von Seminareinheiten, die mich vor, während und nach dem Freiwilligendienst begleiten. Dazu gehören eben dieses VOS, ein Orientierungsseminar nach Ankunft im Gastland, ein dortiges Zwischenseminar und ein Rückkehrseminar in Deutschland. Diese Einheiten entsprechen der Konzeption des Freiwilligendienstes als Lerndienst und helfen den Freiwilligen, sich auf ihre Erfahrungen im Gastland vorzubereiten, sie zu verarbeiten und zu reflektieren.

Für Freiwillige in Förderprogrammen wie weltwärts sind diese Seminare zwar verpflichtend, allerdings sehe ich die Teilnahme am VOS im Nachhinein keinesfalls als erzwungen an. Diese zwölf Tage in Berlin waren einfach großartig – da tut es auch nicht mehr weh, die letzten Urlaubstage geopfert zu haben. Wir waren uns alle einig: Die gemeinsame Zeit hätte ruhig noch bis zur Ausreise anhalten können!

Ja, die fruchtbaren Gespräche und Diskussionen, die gemütlichen Abende mit Harfen- und Gitarrenklängen und beim spannenden Spiel, das gemeinsame Feiern und überhaupt die fantastische Atmosphäre unter allen Teilnehmenden sowie dem Team werde ich sehr vermissen. Doch auch die Themen hatten es in sich! Hinter schnöden und vermeintlich altbekannten Bezeichnungen wie „Vorurteile“, „Privilegien“ und „Rassimus“ steckten tiefgreifende selbstkritische Auseinandersetzungen mit der eigenen Identität, der eigenen Position und dem Umgang mit Anderen. Einige dieser Einheiten, die mich besonders beeindruckt und beschäftigt haben, werde ich deshalb noch einmal in gesonderten Blogeinträgen vorstellen.

Zwar haben wir jetzt außer in Einzelgesprächen kaum länderspezifische Angelegenheiten behandelt, dennoch wurden wir umfangreich und grundlegend auf den Aufenthalt im fremden Land, auf Konfliktsituationen und den Umgang mit uns fremden Gepflogenheiten vorbereitet. Ich weiß zwar leider immer noch nicht, in welches Projekt ich kommen werde, allerdings habe ich endlich die vier anderen Freiwilligen kennengelernt, die ebenso mit dem ICJA nach Ecuador gehen. Jedenfalls befinde ich mich in guter Gesellschaft und wir freuen uns bereits auf tolle gemeinsame Erfahrungen.

Auch weiß ich nun, dass ich schon am 14. Januar fliegen werde und zwar nicht wie erwartet über die USA, sondern direkt von Frankfurt nach Bogotá, der Hauptstadt von Kolumbien und von dort aus weiter nach Quito.

In diesem Maße mit neuen Erfahrungen, Bekanntschaften, Erwartungen und Erkenntnissen bereichert, macht es auch gar nicht aus, dass ich um ein iPhone ärmer nach Hause zurückkehre, welches mir am Sonntagmorgen geklaut wurde, da ich nach dem Feiern im Herzen Berlins in der S-Bahn eingenickt war. Dementsprechend haben sich auch meine Befürchtungen über die Kriminalität in Ecuador relativiert. Nein wirklich – einen besseren Moment hätte es nicht geben können. Zum einen wurde mir klar, welch unnötigen, zeitraubenden Luxus ein solches Gerät bedeutet, zudem völlig unangebracht, wenn man die Armut in vielen Teilen dieser Welt betrachtet. Zum anderen war es sicherlich die beste Vorbereitung für Ecuador, mich ohne moderne Hilfsmittel in einer fremden Großstadt zurechtfinden zu müssen: Nicht erreichbar sein. Nicht wissen, welche S-Bahn Verbindung die schnellste ist. Andere Leute um einen Anruf von ihrem Handy bitten. Karten studieren und ins Gedächtnis einprägen – sich trotzdem völlig verirren und Einheimische nach dem Weg fragen. Andere darum bitten, einen Wecker zu stellen. Und das schwierigste: Nicht wissen, wie viel Uhr es ist.

Nichtsdestotrotz: Meine Vorfreude auf Ecuador wurde jedenfalls enorm beflügelt und ich kann es kaum erwarten, bis endlich alle Vorbereitungen abgeschlossen sind und ich im Flieger sitze!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s