Que chévere

Angekommen – aber noch längst nicht eingelebt! Am Montag, den 14.01.2013 hatten sich fünf Freiwillige (Jasmin, Tilman, Marie, Paul und Ich) vom Frankfurter Flughafen aus auf den Weg nach Ecuador gemacht, in freudiger Erwartung auf ein Jahr voller neuer Erkenntnisse und Erfahrungen. Der Weg dorthin war allerdings unspektakulärer als erwartet. Dank einem umfangreichen Entertainment-System an Bord, der guten Gesellschaft und natürlich vielen Gesprächsthemen waren die elf Stunden Flug in null komma nichts vorbei. Solange zu sitzen ist aber trotz der bequemen Sitze keine schöne Erfahrung. Erstaunlich überrascht war ich allerdings von der netten Crew und dem wirklich leckeren (vegetarischen) Essen an Bord. In Bogotá gab es leider nicht viel neues zu sehen und so verbrachten wir die restliche Wartezeit unruhig schlafend, bis auch die nächsten knapp zwei Stunden Flug endlich abgeschlossen waren.

Aus dem eisigen Frankfurt kommend wurden wir nun nachts um eins bei lauen 12°C von fröstelnden MitarbeiterInnen abgeholt und in die Misión Carmelita gebracht. Dort erwarteten uns weitere intensive Tage der Vorbereitung auf unseren Aufenthalt, die ersten ecuadorianischen Eindrücke und nichtsdestotrotz viel Spaß.

Am ersten Tag konnten wir zusammen mit Eva aus Belgien, die bereits vor uns angekommen war, zunächst einmal die Stadt erkunden und das perfekte Wetter genießen (25°C). Tatsächlich kann ich mich seit ich hier bin an nur einen der berüchtigten Regenschauer erinnern. Sehr ungewöhnlich, da man in Quito sonst alle vier Jahreszeiten an einem Tag erleben soll: Dem lauen Frühlingsmorgen folgt ein heißer und trockener Mittag, dem feuchten Herbstnachmittag eine kühle Nacht. Leider kann ich das bisher überhaupt nicht bestätigen und diese wohl offensichtliche Auswirkung des Klimawandels lässt einen das tolle Wetter nicht zu 100% genießen. Eine andere Beschreibung passt momentan allerdings ziemlich gut: Quito, die Stadt des ewigen Frühlings. Dank der Höhe von etwa 2800m herrscht hier nämlich kein feuchtheiß-klebriges Klima wie an der Küste oder im Regenwald, sondern man kann die Sonne bei einer frischen Brise genießen ohne in Gefahr zu laufen, einen Hitzschlag oder eine Erkältung zu riskieren. Nur auf die Sonne muss man hier definitiv aufpassen, jeder Quadratzentimeter Haut ohne Sonnencreme wird schnell gegrillt. Für manche andere noch hellhäutigere Freiwillige ist deshalb mittlerweile LSF 100+ Standard.

Die Höhe ist noch so eine andere gewöhnungsbedürftige Sache – wenn sich ein paar Treppenstufen z.B. plötzlich wie eine Runde Joggen anfühlen. Inzwischen ist das aber kein Problem mehr und ich fange auch demnächst wieder mit etwas sportlicher Betätigung an (was sich bei meinen Gastbrüdern auch anbietet – aber dazu später mehr ;)).

Wo waren wir stehengeblieben? Ach ja, das Orientierungscamp. Wie gesagt, erkundeten wir am ersten Tag gleich mal die Innenstadt, genauer gesagt das sehr wohlhabende Zentrum im Norden Quitos. Hier gibt es Hochhäuser, Shopping Malls, teure Restaurants und einen wunderschönen weitläufigen Park namens „La Carolina“. Ich habe diese ersten Eindrücke natürlich auch schon fleißig dokumentiert, die Ergebnisse könnt ihr euch unter „Fotos“ oder auf Facebook anschauen. Zwar fahren hier wirklich fast nur relativ neue Autos und auch viele protzige Pick-Ups herum, nichtsdestotrotz ist die Armut in großen Teilen der Bevölkerung definitiv erkennbar. Es gibt sehr viele StraßenverkäuferInnen, SchuhputzerInnen sowie an den Ampeln MusikerInnen und JongleurInnen – kein kleiner Teil davon sind Kinder und Jugendliche.

Am zweiten Tag stießen dann Benedikte aus Dänemark, Sarah aus Schottland (Großbritannien), Maria aus Österreich und John aus Georgia (USA) zu uns und der Hauptteil des Camps begann. Diese Purinationalität stellte mich gleich vor ein großes Problem, dass mich auch jetzt immer wieder durcheinanderbringt: Eigentlich bin ich ja mit dem Gedanken hierher gekommen, dass ich viel Spanisch sprechen muss. Nun haben wir aber einen außergewöhnlich niedrigen Anteil an Deutschsprachigen – der Großteil der VASE-Freiwilligen kommt nämlich aus Deutschland, von uns zehn aber „nur“ die Häfte. Da wir nun auch noch nicht soooo eloquent mit der spanischen Sprache umgehen können, fanden alle Workshops und Diskussionen auf Englisch statt. Und auch wir Freiwilligen sprachen untereinander Englisch. Also musste ich erst mal meine verstaubten Englischkenntnisse ausgraben und habe diese innerhalb der kurzen Zeit wirklich wesentlich verbessert – anders als meine Intention Spanisch zu sprechen, die trotz einiger kurzer Gespräche mit den VASE-Leuten leider verloren ging.

Vermutlich war das für uns alle nicht ganz einfach, denn selbst wir deutschen Freiwilligen haben angefangen untereinander Englisch zu sprechen und zeitweise habe ich wohl sogar in Englisch gedacht.

Das Orientation Camp war jedenfalls schön und abwechslungsreich, auch dank der wirklichen sympatischen Leute von VASE: Xime aus Ecuador, Tim aus Deutschland und Olof aus Schweden. Vor allem in Bezug auf ecuadorianische Besonderheiten in Kultur, Politik, Umgang und Sicherheit fand ich es sehr hilfreich. Allerdings hatten wir mit dem ICJA-Vorbereitungsseminar bereits eine so umfangreiche, tiefgehende und intensive Vorbereitung erhalten, dass ich mit den allgemeineren Themen nicht mehr so viel anfangen konnte. Nichtsdestotrotz war es eine tolle Sache, gemeinsam mit den anderen Freiwilligen all diese neuen Erfahrungen zu machen!

„Que chévere!“ würde man hier in Ecuador sagen – super, klasse, großartig!

Nach vier intensiven Tagen wurden wir dann am Freitag, den 18.01. von unseren Gastfamilien abgeholt – für uns alle wirklich der aufregendste Moment seit der Ankunft. Manche von uns hatten ihre Gastfamilie nur für die kommenden zwei Wochen Spanischkurs, andere – wie auch mich – erwartete eine neue Familie für die nächsten 12 Monate. Doch dazu mehr im nächsten Artikel 😉

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