Playa

Das lange Osterwochenende haben wir für einen Trip an den ruhigen und wenig überlaufenen Strand von Mompiche genutzt – um die berühmten Osterumzüge in Quito war es mir dabei nicht wirklich schade, da ich nach den Erfahrungen in Ambato kaum die Hoffnung hatte, einen Blick auf die violett gekleideten Kapuzenträger zu erhaschen, ohne bereits am Abend vorher im centro histórico zu kampieren.

Für den Ausflug interessierte sich bald eine große Anzahl von Freiwilligen samt ecuadorianischen Freunden, doch selbst zwei Wochen vorher gab es kein einziges Tickets für die öffentlichen Busse mehr – an verlängerten Wochenenden strömt eben halb Quito an den Strand. Im letzten Moment konnten wir noch ein privates Busunternehmen finden, das uns im Kleinbus für 200$ direkt nach Mompiche fuhr. Bei 14 Leuten läuft das auf den gleichen Preis wie die öffentlichen Busse hinaus, nur um Längen spaßiger und etwas komfortabler 🙂
Da wir leider vergessen hatten, noch mehr Musik für die Fahrt herauszusuchen, durfte uns DJ Paul mit äußerst entspannendem Mitschnitten des Fusion Festivals 2012, die ich ihm zuvor heruntergeladen habe und Klassikern der ArbeiterInnenbewegung, für die sich ein anderer Freiwilliger der Farm interessiert hatte, beglücken. Ernst Buschs Heimlicher Aufmarsch in einem Bus voller deutscher, schottischer, französischer und US-amerikanischer Freiwilliger und Ecuadorianer auf der nächtlichen Fahrt an den Strand…ganz schön skurril.

Trotzdem haben wir die Fahrt heil überstanden und kamen am frühen Morgen in dem touristisch geschickt als verschlafenes Fischerdörfchen getarnten Ort an, wo wir hungrig auf das Personal des Hostels wartend unsere Zelte unter dem Boden eines des äußerst adretten Strandhäuser aufschlugen. Die Fotos sind übrigens wieder nicht von mir (bzw. nicht von meiner Kamera). Diesmal allerdings, weil es mir viel zu riskant war, meine Kameraausrüstung mit zum Zelten an den Strand zu nehmen, wo überall vor erhöhter Kriminalität gewarnt wird.

Playa-1

Natürlich sind wir gleich nach Ankunft und Aufbau der Zelte  in den einladend warmen Pazifik gesprungen – so schön, mal wieder das Meer zu erleben. Den kleinen Ort erkundend schlenderten wir dann durch die Straßen Mompiches, um uns in der Mittagshitze für den einen oder anderen batido de coco in einem der vielen Restaurants niederzulassen. Dieses hervorragend erfrischende Getränk aus Kokossaft- und stückchen, Milch, viel Zucker und Eis gab es praktisch an jeder Ecke, wahlweise auch mit den vielen schmackhaften exotischen Früchten, die Ecuador zu bieten hat.

Den restlichen Tag verbrachten wir dann auf der kleinen Strandpromenade vor dem Zeltgelände, wo man entspannt in der Hängematte Sonne und Meer genießen konnte.

Abends gab es entweder die Möglichkeit, beim Hostel zu bleiben, wo ein DJ entspannten Minimal-Electro für eine kleine Schar im Sand Tanzender auflegte oder sich wieder ins Dorf zu begeben, um noch mal die fruchtige Vielfalt der Straßenbars zu erkunden.

Alles in allem ein sehr schönes, ruhiges und erholsames Wochenende. Sicherlich nicht mein letzter Besuch am Strand, nächstes Mal geht es dann aber an einen besuchteren und umtriebigeren Ort. Ich muss aber auch gestehen, dass mich andere Reiseziele wie z.B. die Andengipfel oder der Oriente bisher mehr reizen.
Da sich unsere Gruppe bereits am Samstag verkleinert hatte und ein ecuadorianischer Freund mit eigenem Auto angereist kam, beschlossen diejenigen, die nicht direkt in Quito, sondern in Ambato (zweeinhalb Busstunden südlich) oder Tumbaco (Großraum Quito, jedoch außerhalb des Zentrums) wohnen, sich für die Rückfahrt zu sechst in den Kleinwagen zu quetschen. Übrig blieben also Paul, Pierric (ein französischer Freiwilliger, der bereits im Regenwald mit dabei war) und Ich, die die lange Busreise zurück in die Sierra auf sich nahmen. Während die Reise an den nächst größeren Knotenpunkt der Küste, Esmeraldas, sehr entspannt ablief, hatte ich von dort nach Quito die bisher schlimmste Reiseerfahrung. Zunächst einmal stand der Bus noch eine Stunde nach eigentlichem Abfahrtsdatum in der knallenden Abendhitze, während ich im Innern bei gefühlten 40°C nichts anderes tun konnte als zu schwitzen. Die anderen Passagiere wurden mit der Zeit unruhig, riefen und schlugen an die Fenster, um den Fahrer zur Abfahrt zu bewegen. Als es dann endlich losging und der sehnlichst erwartete Fahrtwind schüchtern aus den kleinen Fenstern strich, wurde mir – klatschnaß – bewusst, dass das mit Sicherheit kein gutes Ergebnis haben könnte und packte mich wieder in meinen Pulli. Die letzte Mandelentzündung war mir genug. Aus irgendwelchen Gründen, vielleicht um die Verspätung aufzuholen, raste der Bus inzwischen mit irrer Geschwindigkeit und riskanten Überholmanövern durch die Wälder, so dass er sich in manch langezogener Kurve so zu Seite neigte, dass ich schon die Vorstellung aufgab, unversehrt in Quito anzukommen.
Wundersamerweise schafften wir das dann doch und auch Paul gelangte noch heil zur Farm. Nachdem wir dann halb Quito mit dem Trolebus durchquert und mit dem Taxi morgens um halb sechs bei mir zuhause ankamen, hätte mich sicherlich kein Alarm der Welt vor den Mittagsstunden aus dem Schlaf gerissen. Deshalb sagte ich einfach Pierric – übrigens verständigten wir uns, da keiner der Sprache des Anderen mächtig war, in einem sehr brüchigen Spanisch -, dass er mein Bett besetzen sollte, bis er am Mittag zum Flughafen und von dort aus nach Peru aufbrach und entschied mich, entpannt zu duschen, zu frühstücken und danach zur Arbeit zu gehen.
Wie erwartet hatte mir allerdings das im Vergleich zur Küste doch sehr frische nächtliche Klima Quitos den Rest gegeben und ich lag zwei Tage später im Anfangsstadium einer Virusinfektion mit übelsten Rückenschmerzen in Fleecepulli und Jacke eingepackt fröstelnd in der heißen Mittagssonne auf dem Schulhof, um auf die Doktorin des Projekts zu warten. Dank Paracetamol, Vitamin C und einem Tag Ruhe war ich jedoch schnell wieder fit.

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