Selva

Ecuador bietet eine riesige Vielfalt auf kleinem Raum. So gelangt man von Quito aus innerhalb weniger Stunden Busfahrt in Altstädte historischen Kolonialstils, an den Fuß schneebedeckter Vulkanriesen, an schönste Strände oder mitten in den Urwald. Vor allem letzteres wollte ich mir auf keinen Fall entgehen lassen und so kam die Einladung einer befreundeten Freiwilligen, das Projekt einer anderen Fundación im Oriente zu besuchen, gerade recht. Nach der heftigen Erkältung samt Mandelentzündung war die Fahrt hinunter ins tropische Amazonastiefland außerdem eine richtige Wohltat. Also ging es von Quito los nach Ambato, wo ich bei Pasch übernachtet habe. Am Morgen darauf fuhren wir dann mit seiner Freundin Sophie weiter nach Puyo, wo wir die anderen Freiwilligen trafen, und von dort aus nach Macas.

Ein weiterer Bus fuhr uns bei Abenddämmerung über abenteuerliche Schotterpisten mitten in den ansonsten unberührten Primärwald. Die folgenden Bilder sind übrigens alle nicht von mir, da ich die Eindrücke des Regenwaldes erst einmal direkt auf mich einwirken lassen wollte, bevor ich sie dann beim nächsten Dschungeltrip auf den Sensor banne.

Beim Pfad zum Camp „SelvaVida“ (Waldleben) angekommen, war zunächst einmal angesagt, geeignetes Schuhwerk (Gummistiefel, was für eine großartige Erfindung!) und Mückenschutz anzulegen. Mit der Taschenlampe in der Hand und der schwülen Abendhitze auf den Schultern ging es dann auf einem matschigen Pfad hinunter in die grüne Oase.

Diese besteht aus drei aus Bambus gefertigten Häusern, zwei zum Wohnen und eins zum Kochen und Essen. Das Camp liegt direkt am Fluß Macuma und natürlich inmitten des wunderschönen Regenwaldes – Elektrizität gibt es nicht, ebensowenig fließend Wasser. Dieses wird aus einem nahen Bach geschöpft und antibakteriell behandelt, bevor es zum Trinken und Kochen verwendet werden kann.
Das Projekt nimmt jeweils für ein paar Wochen oder Monate Freiwillige auf, die beim Ausbau des Camps mithelfen und in der nahe gelegenen comunidad in der Schule mithelfen. Erschöpft von der langen Reise begaben wir uns aber nach Ankunft direkt in unsere Betten, um den nächsten Tag für einen ausgiebigen Ausflug nutzen zu können. Cesar, der Verantwortliche des Projekts (zu sehen auf dem folgenden Bild), war gleichzeitig unser sympathischer Guide und klärte uns über Flora und Fauna sowie das Leben seiner indigenen Volksgruppe Shuar auf, einer der größten Ecuadors. Für das gesamte Wochenende wollte er lediglich 40$, was angesichts des Umfangs, der uns geboten wurde, und der Preise professioneller Reiseunternehmen ein richtiges Schnäppchen ist. Die Tour durch den tiefen feuchtheißen Dschungel war ebenso interessant und beeindruckend wie anstrengend und wir fragten uns, wie Che und seine Guerrilleros das nur mehrere Monate durchgehalten haben…

Der Marsch führte uns an einem erfrischend kalten Wasserfall – eine hervorragende Abkühlung für schweißüberströmte AbenteurerInnen!

Nachdem wir zurückgekehrt waren, zauberte uns Cesar ein hervorragendes Mittagessen: Fritierter Yuka und Banane (verde), Tomate, Avocado und Reis natürlich. Danach ging es auf einem mit Baumstämmen gesicherten Pfad weiter flußaufwärts in die 40 Minuten entfernte comunidad. Diesen Weg gehen die Freiwilligen jeden Tag – und ich kam gar nicht mehr aus dem Staunen über Schönheit und Ruhe des Regenwaldes heraus.
In der Siedlung angekommen, wurden wir sehr freundlich von den BewohnerInnen begrüßt und konnten uns die Schule anschauen, in der die Freiwilligen z.B. Englischunterricht geben.

Selva-10

Nun handelt es sich bei den dort lebenden Shuar aber keineswegs um speerschwingende Wilde, die auf Geheiß ihres Häuptlings in den Krieg ziehen während ihre drei Frauen zuhause die zwölf Kinder hüten.
Die BewohnerInnen der Siedlung wohnen in robusten, bis zu zweistöckigen Holzhäusern und leben von landwirtschaftlichen Produkten, die sie zur Selbstversorgung und zum Verkauf anbauen. Einige von Ihnen, wie Cesar, nutzen außerdem ab und zu die bestehende Busverbindung um in Macas Einkäufe zu erledigen und im Internet zu surfen. Unser stiller, aber sehr umgänglicher Führer versteht sich als Vermittler, der für einen nachhaltigen und sorgfältigen Umgang mit den Ressourcen des Urwalds einsteht. Sein Traum ist es, das Camp mit Strom zu versorgen und ans Internet anzuschließen, weitere Unterkünfte zu bauen  und dort eine Art Erlebnistourismus zu etablieren.
Abends gab es das berüchtigte cui, also Meerschweinchen – ich habe es nicht probiert. Den restlichen Abend verbrachten wir im Gespräch beim Lagerfeuer und beim Kartenspiel.

Der nächste Tag war begann wie fast immer im SelvaVida-Projekt mit leckeren Pfannkuchen und Marmelade. Danach ging es höchstspektakulär weiter: Zunächst fällten wir mit der Machete ein paar Balsabäume im Wald (Wuuaaaaa – Testosteronkick!).

Die gefällten Baumstämme mussten dann geschält und zum Fluss transportiert werden – Balsaholz gilt zwar als leicht, aber so ein Baumstamm auf der Schulter ist auch nicht gerade angenehm. Dann galt es, auf den Baumstämmen liegend den Fluss hochzupaddeln, wo uns Cesar die Höhle einer scheinbar riesigen Anaconda zeigte, die wir leider bzw. zum Glück nicht antrafen. Durch die gefährliche Strömung werden Tiere und auch wagemutige SchwimmerInnen in die Höhle gezogen und dort festgehalten, wo sich die Anaconda in aller Ruhe über sie hermachen kann. Auf Youtube findet man Videos, wie diese Würgeschlangen ganze Nilpferde verschlingen…
Nichtsdestotrotz schwangen wir uns wieder bäuchlings auf unsere Baumstämme, um die Fahrt flußabwärts mit der Strömung fortzusetzen.

Über Stromschnellen und seichte Gewässer ging die oftmals rasante, mindestens halbstündige Fahrt – eine harte Tour für Knie und Ellenbogen, denn so mancher Fels wartete unter der Wasseroberfläche. Auch mein Brustkorb tat noch eine Woche später weh, aber dieses Erlebnis war es defintiv wert. So kamen wir also in einer weiteren comunidad an, wo gerade die sonntäglichen Feierlichkeiten stattfanden. Wir konnten uns natürlich nicht darum drücken, auch das traditionelle alkoholische Getränk chicha zu probieren, das aus gehacktem und zerkautem Yuka hergestellt wird. Der Alkoholgehalt kommt durch die Fermentierung des Speichels zustande, der bei der gemeinsamen Zubereitung seinen Weg in die Brühe findet – sehr ungewohnt und daher zunächst auch etwas abstoßend. Bierliebhaber kommen hier aber sicherlich auf ihren Geschmack, da durchaus vergleichbar. Für mich jedoch eher nichts 🙂

Da wir alle ziemlich erschöpft waren, sind wir einfach 10 Minuten mit dem regulären Bus zurück zum Camp gefahren. Dort gab es dann nochmal ein schönes Mittagessen und wir tauschten unsere Kontaktdaten aus, denn wir mussten auch schon wieder aufbrechen, vor allem, da uns noch eine lange Rückfahrt nach Quito bzw. Ambato erwartete. Der kurze zügige Marsch zur Straße endete dank der schwülen Mittagshitze mal wieder in einem Schweißbad, aber bald kam auch der Bus und wir konnten uns von Cesar verabschieden, den ich vielleicht bald wieder für die nächste Regenwaldexpedition kontaktieren werde.
In Puyo angekommen ergab sich dann beim Warten auf den Bus nach Quito die Möglichkeit, noch eine ganz spezielle Delikatesse auszuprobieren.

Trotz des anfänglichen Ekels ließ ich mich dann doch noch dazu überreden, einen kleinen Teil der Made zu essen, die zwei Minuten zuvor noch in guter Gesellschaft in einer Art Terrarium herumgekrochen war.


Naja, nicht sehr überzeugend. Relativ geschmacklos, aber eine ekelhafte Konsistenz. Den knusprigen Kopf habe ich mir lieber gespart. Nach diesem kleinen Erlebnis ging es dann schließlich wieder zurück nach Hause, wo ich um problemlos um vier Uhr morgens ankam.
Alles in allem bisher wirklich das schönste Wochenende in Ecuador – einfach großartig! Vielen Dank an Alina, Lisa, Pierric, Sophie und Pasch sowie die SelvaVida-Freiwilligen Alice und Miriam und natürlich an Cesar für dieses unvergessliche Erlebnis 🙂

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