Busfahren

Da ich nach wie vor sehr angetan von den hiesigen öffentlichen Verkehrsmitteln bin, widme ich ihnen hiermit einfach mal einen eigenen kurzen Artikel.

In Deutschland

Schon in Deutschland war ich begeisterter Bus- und Bahnfahrer: Öffentliche Verkehrsmittel sind schnell, zuverlässig, umweltfreundlich und entspannt zu nutzen. Allerdings: Der Preis.

Mittlerweile zahlt man innerorts mehr als zwei Euro, um mit dem Bus zu fahren – und wenn es nur zwei Stationen sind. Die Fahrt in die Nachbarstadt zum wöchentlichen Treffen mit anderen politisch aktiven Menschen kostete mich knapp drei Euro. Um für eine Veranstaltung nach Stuttgart zu fahren, musste ich zunächst rund vier Euro für eine halbe Stunde Busfahrt zum Anschlussbahnhof der S-Bahn und dann noch einmal rund sechs Euro in der S-Bahn zahlen, evtl. dann noch mal zwei Euro für die U-Bahn.

Alle Preise wohlgemerkt nur für eine Strecke (irgendwie muss man ja auch wieder zurückkommen) und inklusive Bahncard 25. Das wären dann:
– bei Bedarf 4€ um mit dem Bus FreundInnen zu besuchen oder Erledigungen zu machen
– wöchentlich 6€ für politisches Engagement
– ab und an 24€ für einen Tagesausflug nach Stuttgart

Für die meisten SchülerInnen (sowie NiedrigverdienerInnen, SozialhilfeempfängerInnen, RentnerInnen etc.) ist der öffentliche Verkehr schwer, wenn nicht sogar unbezahlbar – ich habe mich jedenfalls sehr gefreut, wenn der Ticketautomat mal defekt war. Darüber hinaus sind die Abfahrtsintervalle und Anschlüsse am Wochenende und nachts eine Zumutung. Sehr schade, denn obwohl Bus und Bahn eine bereits vorhandene, entspannte Alternative zum umweltschädlichen Autoverkehr sein könnten, wird sich daran wohl leider kaum etwas ändern.

In Ecuador

Hier sieht das mit dem öffentlichen Verkehr schon anders aus. Die Hauptstadt Quito liegt in einem schmalen andinen Becken und erstreckt sich daher nur etwa 3km in West-Ost-Richtung, aber dafür das zehnfache in Nord-Süd-Richtung. Insofern ist es relativ einfach, sich in Nord-Süd-Richtung fort zu bewegen – beispielsweise mit einer der drei parallel verlaufenden Buslinien (Ecovía, Trole und Metro), die auf eigenen Trassen mit separaten Haltestellen einer Straßenbahn entsprechend am Verkehrsstau vorbei sausen.

Zudem existiert eine riesige Menge anderer Busse, genannt Especial, die in den normalen Verkehr eingebunden fast jeden Punkt der Stadt miteinander verbinden. Allerdings braucht man schon einige Ortskenntnis, um die Linien zu durchschauen. Die wichtigsten Straßen, Stadtviertel und Punkte, die der Bus kreuzt oder durchfährt, stehen zwar angeschrieben – und werden an jeder Haltestelle, Ampel und Straßenkreuzung auch lauthals angepriesen – aber nicht die Route. Daher ist es dann schon mal vorkommen, dass ich voller neugieriger Risikofreude in einen bisher unbekannten Bus eingestiegen bin, der dann aber entweder einen riesigen Umweg gefahren oder aber am anderen Ende des Boulevards angekommen ist als dem gewünschten. Auch nach acht Monaten lerne ich noch jede Woche neue praktische Buslinien kennen, finde mich aber inzwischen problemlos zurecht.

Der

Der Especial Mariscal Sucre, der mich täglich von Zuhause ins Zentrum und wieder zurück bringt.

Auf unserem Orientierungsseminar direkt nach der Ankunft in Ecuador haben wir erfahren, dass das Busfahren in Quito so seine Besonderheiten hat. Deshalb fahren alle, die es sich leisten können – und das sind die wenigsten – lieber mit dem Taxi oder dem eigenen Auto. So zum Beispiel unsere KoordinatorInnen aus dem VASE-Büro, meine Gastbrüder oder der Chef meines neuen Projekts. Folgendes Video fasst quasi alle Vorbehalte gegenüber dem kollektiven Nahverkehr zusammen – und die werden auch ohne Spanisch-Kenntnisse schnell ersichtlich. Ich bin jedoch nach wie vor begeistert.

Wenn ich nun also morgens mit dem Bus zu meinem Projekt fahre, läuft das etwa so ab:

So halten die Especiales zum Beispiel an fast allen Kreuzungen und Ampeln, an denen Passagiere ein- oder aussteigen möchten. Eigentlich ist das mittlerweile verboten, da es entsprechende Haltestellen gibt, um die Fahrten zu beschleunigen und die Unfallgefahr bei häufigen Stopps zu vermindern. Allerdings ist es zu angenehm, einfach vor der Haustür in den Bus zu steigen und die meisten FahrerInnen setzen sich großzügigerweise über das Verbot hinweg. Also stellt man sich einfach an den Straßenrand und winkt den gewünschten Bus heran – kaum ist die erste Stufe erklommen, geht die Fahrt auch schon weiter und es erfordert einiges an Übung, sich dabei auf den Beinen zu halten. Um sich wieder absetzen zu lassen, reicht ein simples „Gracias!“ an den oder die FahrerIn, der Ausstieg muss aber ebenso schnell erfolgen.

Fahrpläne gibt es keine, der Bus kommt unter der Woche tagsüber allerdings alle 5-15 Minuten. So würde ich mir das auch in Deutschland wünschen. Eine Fahrt kostet dabei lediglich 25 Cent (also 20 Eurocent) – egal, ob man sich nur einen kurzen Fußmarsch zwei Blöcke den Berg hinauf sparen möchte oder vom Zentrum aus mit einer einstündigen Fahrt zum großen Busterminal den Anschluss für den Fernverkehr sucht.

Eine der vier Schalterreihen im Terminal Quitumbe.

Dort, im großen Busterminal – vergleichbar mit dem Hauptbahnhof einer deutschen Großstadt – geht es dann mit Fernbussen weiter in jegliche Region Ecuadors oder in die Nachbarländer. Einige große Busunternehmen haben zum Glück auch eigene kleine Terminals in der Innenstadt, so dass ich mir die mindestens einstündige innerstädtische Reise zum Busterminal sparen kann.
Strand oder Regenwald sind in etwa sieben Stunden erreichbar, passend für eine nächtliche Fahrt. Der Preis beträgt lediglich wenige Dollar (für diese Strecke 10-14$) und der Komfort lässt kaum zu wünschen übrig. Perfektioniert wurden Langstreckenfahrten mit dem Bus allerdings in Peru, wo meist sogar Liegesessel zur Verfügung stehen und wir zwischen verschiedenen Bordmenüs wählen konnten – bei Fahrten von teils mehr als 24 Stunden (!) oder mehreren Tage Dauer (zwischen den Ländern) auch durchaus wünschenswert.

Ach ja, und hübsch sehen die Busse meist auch aus:

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