Nelson Mandela – ein Nachruf

Nelson Mandela ist wohl einer der der angesehensten Freiheitskämpfer dieser Zeit und großes Vorbild vieler Menschen – auch für mich. Doch lässt mich das Gefühl nicht los, dass vieles um seine Person unterschlagen wird.
Mandela hat uns gelehrt, dass der friedliche Weg zur Freiheit stets zu bevorzugen ist und durchaus von Erfolg gekrönt sein kann. Er selbst hat sich aber ausdrücklich für den bewaffneten Kampf ausgesprochen, falls friedliche Mittel keinen Erfolg zeigen. So vollzog er als Anführer der bewaffneten Widerstandsbewegung Umkhonto we Sizwe eine Guerilla-Ausbildung in Algerien. Er war Kommunist, betrachtete die kubanische Revolution als Inspiration und Fidel Castro als Freund und Kampfgenossen.

Nelson Mandela war Mitglied der Kommunistischen Partei Südafrikas.

Ich betrachte ihn gerade deswegen als Vorbild. Viele würden vor diesen Tatsachen sicherlich gerne die Augen verschließen und Mandela als den unparteiischen und friedfertigen Helden feiern, als der er so oft dargestellt wird. Manche würden mir vielleicht vorwerfen, seine Person so kurz nach seinem Tod beschmutzen und zu anderen Zwecken missbrauchen zu wollen.

Nelson Mandela konnte viele seiner Ziele auf friedlichem Wege erreichen – wenn auch mit zahllosen Entbehrungen. Doch sein Vermächtnis reiht sich ein in das seiner Genossen und Genossinnen, die die revolutionären Kämpfe im Laufe der Geschichte prägten:

Hugo Chávez, der ebenfalls in diesem Jahr von uns gegangen ist – im Gegensatz zu Mandela in der herrschenden Meinung verteufelt.

Muammar al-Gaddafi, den Mandela ebenfalls als Kampfgenossen bezeichnete – wobei ich sowohl die öffentliche Darstellung als auch seine Person selbst kritisch betrachten würde.

Ernesto „Che“ Guevara, dessen Konterfei allen bekannt ist – auch sein revolutionäres Wirken gerät darüber oft in Vergessenheit.

Und unzählige weitere, die nicht die gleiche Berühmtheit wie die genannten erlangten, aber einen wesentlichen Beitrag für eine Welt des Friedens und der Solidarität geleistet haben.

Mir ist bewusst, dass diese Stellungnahme in Europa sicherlich Ablehnung und Misstrauen hervorruft – auch unter euch, die gerade diese Zeilen lesen. Doch wir müssen uns fragen: Beruht diese Abneigung wirklich auf unseren eigenen Erfahrungen oder folgen wir vielleicht nur einem gesellschaftlichen Schema, dass immer wieder reproduziert wird? Das Beispiel Mandelas kann uns bei der Antwort helfen – schließlich überwiegt die positive Darstellung seiner Person.
Ich habe hier in Ecuador jedenfalls gelernt, die Geschichte des Freiheitskampfes auch als die meine zu betrachten und zu dieser Einstellung zu stehen.

Deshalb werde ich morgen umso bewusster an den 18. Weltfestspielen der Jugend und Studierenden teilnehmen, unter dem Motto: „Jugend vereint gegen Imperialismus, für eine Welt des Friedens, der Solidarität und des sozialen Wandels“.

Eine Collage, die ich im Zuge der Vorbereitungen angefertigt habe.

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5 Antworten zu “Nelson Mandela – ein Nachruf

    • Danke für den Link, Sascha! Interessant, wie Mandela wohl plötzlich doch von einigen Prinzipien abgerückt ist. Tja, leider gibt es wohl keine Helden ohne Schattenseiten.

  1. Vielen, vielen Dank für diese Stellungnahme! Sowohl an dich, Fabian, als auch an Lucke, dass er sie rebloggt hat!
    Mich hat in den letzten Tagen diese geheuchelte Anteilnahme in den deutschen Medien unglaublich angekotzt. Die loben Mandela jetzt als „friedlichen Widerstandskämpfer“ in den Himmel – denn Leute, die sich mit Gewalt gegen Gewalt wehren sind ja böse und verurteilenswert.
    Madiba hat es wirklich nicht verdient, dass irgendwelche antikommunistischen Lohnschreiber*innen sich jetzt öffentlich über seinen Tod ausheulen.
    Rote Grüße nach Ecuador aus der ehemaligen Kolonialhaupstadt Madrid!

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