Syrien – eine ausweglose Situation?

Kurdinnen und Kurden feiern die Ausrufung der Autonomie in Rojava, dem westlichen Teil Kurdistans im Norden Syriens.

Kurdinnen und Kurden feiern die Ausrufung der Autonomie in Rojava, dem westlichen Teil Kurdistans im Norden Syriens.

Im Folgenden ein Aufruf, den ich für die Linksjugend [’solid] geschrieben habe. Da dieses sehr wichtige Kapitel im syrischen Konflikt bisher kaum Beachtung findet, möchte ich den Text gerne auch mit euch, den Leserinnen und Lesern meines Blogs, teilen:

Seit mittlerweile fast drei Jahren tobt in Syrien ein verheerender Bürgerkrieg zwischen den Truppen der Assad-Regierung und der Opposition aus Freier Syrischer Armee und islamistischen Gruppen. Ein Ende des Konflikts ist nicht in Sicht, doch es kommen immer mehr Grausamkeiten beider Kriegsparteien ans Licht. Die Weichen für eine militärische Großoffensive des Westens sind gestellt und durch das Eingreifen verschiedener Länder in die Geschehnisse in Syrien ist der Konflikt längst nicht mehr von den dort lebenden Menschen bestimmt.

Doch währenddessen gewinnt im Norden Syriens – dem westlichen Teil Kurdistans, auch Rojava (sprich Roschawa) genannt – eine Volksbewegung an Kraft, die in diesem aussichtslosen Szenario neue Fakten schafft. In dem zum größten Teil von Kurdinnen und Kurden bewohnten Gebiet wurden die Truppen Assads durch Massenproteste vertrieben und neue basisdemokratische Rätestrukturen aufgebaut, die zu 40% aus Frauen bestehen. Außerdem sind alle ansässigen Ethnien und Minderheiten vertreten. Die Herstellung von Nahrungsmitteln wurde kollektiviert, die Polizei durch so genannte Freiwillige Ordnungskräfte (Asayiş) ersetzt, eigene Volksgerichte gegründet und Krankenhäuser, Schulen und weitere öffentliche Einrichtungen aufgebaut.

Die Bevölkerung organisiert sich in Milizen, um ihre Errungenschaften gegen islamistische Gruppen zu verteidigen. Regelmäßig kommt es zu Angriffen, Ermordungen und Vergewaltigungen durch Dschihadisten. Gleichzeitig versuchen Türkei und Irak Rojava zu isolieren, indem sie ihre Grenzen für Hilfsgüter und Nahrungsmittel sperren. Die Türkei bietet den Islamisten außerdem einen Rückzugsraum und unterstützt sie mit Verpflegung und Logistik. Auch seitens Assads oder der westlichen und arabischen Länder ist keine Hilfe für Rojava zu erwarten. Immerhin befinden sich dort 60 % der syrischen Ölvorkommen und es ist strategisch gesehen praktisch der Eingang zum Nahen Osten.

Dennoch weitet sich die Befreiungsbewegung aus und vor kurzem wurde auch in der an die Türkei und den Irak grenzende Region Cizire die »demokratische Autonomie« ausgerufen. Dieser emanzipatorische Prozess in Rojava ist eine Alternative für ganz Syrien, die im Gegensatz zur militärischen Intervention in etablierten Medien kaum Beachtung findet. Deshalb rufen wir euch auf, dieses Kapitel im syrischen Konflikt bekannter zu machen und eure Unterstützung zur Unabhängigkeit Rojavas zum Ausdruck zu bringen!

Kommt am 8. Februar um 14 Uhr zur Solidaritätsdemonstration in Stuttgart!
(Lautenschlagerstraße | gegenüber vom HBF)

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