Diskriminierung und Sprache

Wie ihr sicherlich schon bemerkt habt, schreibe ich von FreundInnen, ErzieherInnen und SchülerInnen, statt von Freunden, Erziehern und Schülern. Warum mir das wichtig ist und was es mit dieser Schreibweise auf sich hat, möchte ich euch in diesem Beitrag näher bringen.

Im üblichen Sprachgebrauch werden Personengruppen oft mit einer Bezeichnung im Plural benannt. Ein paar Beispiele:

„Ärzte tragen eine große Verantwortung“.
„Die Forscher kamen zu einem klaren Ergebnis.“
„Viele Bürger fordern mehr Mitbestimmung.“

Während man bei Einzelpersonen z.B. klar zwischen „der Arzt“ und „die Ärztin“ unterscheidet, ist in der Gruppenbezeichnung nur die männliche Form präsent. Wenn ich nun lese oder höre, dass „die Forscher zu einem klaren Ergebnis kamen“, dann habe ich in meinem Kopf das Bild einer Gruppe von Männern – obwohl mit Sicherheit auch Frauen anwesend waren. Das mag vielleicht nicht bei allen so sein, Fakt ist aber, dass die Ärztinnen, die Expertinnen und die Bürgerinnen unbenannt bleiben und damit ausgeschlossen werden. Durch unser Rollenverständnis, das leider immer noch sehr präsent ist und daher auch täglich reproduziert wird, stört das in diesen drei Beispielfällen ja auch nicht weiter – schließlich trägt der Mann ohnehin die Verantwortung, hat Fachkenntnis, interessiert und betätigt sich politisch. Der Frau werden diese Eigenschaften nicht im gleichen Maße zugesprochen.

Diese tief verankerte Diskriminierung – der Sexismus – wird durch unseren gewohnten Sprachgebrauch gestützt und immer neu wiedergegeben.

Die gängige Ausdrucksform des Plurals wie in „Ärzte“ lässt alle Menschen außen vor, die sich nicht als Männer sehen. Doch gibt es verschiedene andere sprachliche Ansätze, um diese Benachteiligung zu vermeiden:

1. „Ärztinnen und Ärzte“  – Die Nennung beider Geschlechter ist im gesprochenen Deutsch üblich, z.B. in Reden, verlängert geschriebene Texte aber unnötig und ist enorm sperrig bei Aufzählungen. Außerdem bleiben Menschen, die sich weder als Frau noch als Mann sehen, unberücksichtigt.

2. „ÄrztInnen“ – Das sogenannte Binnen-I (ein großes „i“, kein kleines „L“) kommt hier als Kompromiss zwischen Berücksichtigung und Lesbarkeit zur Anwendung. Kann man beim Lesen sprechen wie die erste Option, oder aber einfach nur wie den weiblichen Plural – meines Erachtens ist unsere Sprache männlich dominiert genug, da kann man ruhig auch mal nur die weibliche Form benutzen. Regt GesprächspartnerInnen zum Nachdenken an 😉

3. „Ärzt_innen“ oder „Ärzt*innen“ – In dieser Form sind alle Menschen mitgemeint. Also auch jene, die sich weder als Frau noch als Mann definieren wollen. Diese Menschen gibt es nämlich durchaus und der handelsübliche deutsche Sprachbaukasten enthält leider keine Teile, um auch sie zu berücksichtigen! Also bauen wir uns einfach neue. Bei deren sprachlicher Anwendung machen wir dann eine kurze Pause an der Stelle des Unterstrichs oder Sternchens.

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